BDC analysieren

Wie analysiere und bewerte ich eine Business Development Company (BDC)?


Business Development Companies (BDCs) sind bei Dividenen-Investoren extrem beliebte Unternehmen. Warum? Das lieg am Geschäftsmodell. Sie stellen kleinen und mittelständischen Firmen Kapital zur Verfügung und sinddeswegen  eine besondere Form von Investmentgesellschaften. Sie werden von der US-Börsenaufsicht (SEC) reguliert und genießen aber nur dann steuerliche Vorteile, solange sie den Großteil ihrer Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Prima für uns Dividenden-Rechner. Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, Kredite zu vergeben oder Eigenkapitalbeteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen zu erwerben. Dabei profitieren sie von hohen Zinserträgen und Beteiligungsgewinnen, sind aber gleichzeitig dem Risiko von Kreditausfällen ausgesetzt.

Da BDCs an der Börse gehandelt werden, bieten sie Investoren die Möglichkeit, an den Renditen aus Mittelstandsfinanzierungen teilzuhaben. Allerdings sind nicht alle BDCs gleich: Die Qualität des Managements, die Zusammensetzung des Portfolios und die Kapitalstruktur sind entscheidend für den langfristigen Erfolg. Deshalb ist es wichtig, eine BDC genau zu analysieren, bevor man investiert.

Best Practice: Schnell-Check eines Quartalsberichts

Wer eine BDC analysieren möchte, sollte sich im Quartalsbericht auf die entscheidenden Kennzahlen konzentrieren. Ein schneller Überblick hilft, die finanzielle Stabilität und Ertragskraft einer BDC zu bewerten. Hier sind die wichtigsten Punkte, die man prüfen sollte:

Wenn diese Punkte überwiegend positiv ausfallen, spricht das für eine solide BDC. Falls mehrere Warnsignale auftreten, sollte man genauer hinschauen oder die BDC mit anderen vergleichen.

Net Asset Value (NAV) und seine Bedeutung

Was ist der NAV?

Der Net Asset Value (NAV) gibt den inneren Wert einer BDC pro Aktie an. Er wird berechnet, indem man den Gesamtwert aller Vermögenswerte, darunter Kredite und Unternehmensbeteiligungen, nimmt, davon die Schulden abzieht und das Ergebnis durch die Anzahl der ausstehenden Aktien teilt. Der NAV ist eine der zentralen Kennzahlen, um den realen Wert einer BDC-Aktie zu bestimmen.

Die Formel lautet:

NAV pro Aktie = (Gesamtvermögen – Schulden) / Anzahl der Aktien

Ein steigender NAV deutet darauf hin, dass das Unternehmen erfolgreich wirtschaftet und seine Investitionen an Wert gewinnen. Ein sinkender NAV hingegen kann auf Verluste oder eine schlechtere Kreditqualität hinweisen.

Warum ist der NAV wichtig?

Der NAV dient als eine Art Fundament für den Aktienkurs. Liegt der Aktienkurs einer BDC deutlich unter dem NAV, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass die Aktie unterbewertet ist – vorausgesetzt, es gibt keine fundamentalen Probleme im Unternehmen. Liegt der Aktienkurs hingegen über dem NAV, erwarten Investoren entweder zukünftiges Wachstum oder betrachten das Geschäftsmodell als besonders wertvoll.

Ein sinkender NAV kann darauf hinweisen, dass:

Gute vs. schlechte NAV-Entwicklung

Ein stabiler oder wachsender NAV ist ein Zeichen dafür, dass die BDC in qualitativ hochwertige Kredite investiert und ihre Vermögenswerte gut verwaltet. BDCs, die regelmäßig unter ihrem NAV gehandelt werden, könnten interessante Chancen für Investoren bieten – vorausgesetzt, es gibt keine versteckten Risiken im Portfolio.

Ein stark fallender NAV hingegen ist ein Warnsignal, da er darauf hindeuten kann, dass das Unternehmen mit sinkenden Vermögenswerten oder höheren Kreditausfällen zu kämpfen hat.

Net Investment Income (NII) und seine Bedeutung

Was ist der NII?

Der Net Investment Income (NII) zeigt an, wie viel eine BDC aus ihren Investitionen nach Abzug der Betriebskosten verdient. Je höher der NII, desto besser ist die operative Ertragskraft des Unternehmens. Er wird berechnet als:

NII = Zinserträge aus Krediten + Dividenden aus Beteiligungen – Betriebskosten – Zinsaufwand

Warum ist der NII wichtig?

Der NII gibt an, ob eine BDC ihre Dividenden nachhaltig zahlen kann. Da BDCs verpflichtet sind, einen Großteil ihrer Gewinne auszuschütten, sollte der NII die Dividendenzahlungen vollständig decken. Ist das nicht der Fall, muss die BDC entweder Kapitalreserven nutzen oder Schulden aufnehmen – beides ist langfristig problematisch.

Beispiel für eine solide BDC

Eine BDC erzielt Zinserträge von 100 Millionen Euro, hat Betriebskosten von 40 Millionen Euro und Zinsaufwendungen von 10 Millionen Euro. Ihr NII beträgt somit 50 Millionen Euro. Wenn sie 50 Millionen Aktien ausgegeben hat, entspricht das einem NII von 1,00 Euro pro Aktie.

Schüttet sie 0,80 Euro pro Aktie aus, ist die Dividende nachhaltig. Sollte sie aber 1,20 Euro pro Aktie ausschütten, übersteigt dies ihr operatives Einkommen, was langfristig problematisch wäre.

Dividenden und Ausschüttungsquote

Wie viel Dividende muss eine BDC zahlen?

BDCs unterliegen der gesetzlichen Vorgabe, mindestens 90 % ihres steuerpflichtigen Einkommens an ihre Aktionäre auszuschütten. Das ermöglicht es ihnen, als „Regulated Investment Company“ (RIC) besteuert zu werden und auf Unternehmensebene keine Einkommensteuer zu zahlen. Dadurch profitieren Investoren von hohen Dividendenrenditen, müssen sich jedoch bewusst sein, dass BDCs nur wenig Gewinn einbehalten, um ihr Geschäft auszubauen.

Gute vs. schlechte Ausschüttungsquote

Die Ausschüttungsquote wird meist anhand des Net Investment Income (NII) berechnet, da dieser den operativen Gewinn der BDC darstellt. Eine Ausschüttungsquote von 80–90 % des NII gilt als gesund, da die BDC genug Puffer hat, um wirtschaftliche Schwankungen auszugleichen. Liegt die Quote über 100 %, muss die BDC ihre Dividenden aus Reserven oder durch Schulden finanzieren – ein klares Warnsignal.

Beispiel für eine gesunde Dividendenpolitik

Eine BDC hat ein NII von 1,20 Euro pro Aktie und zahlt eine Dividende von 1,00 Euro pro Aktie. Die Ausschüttungsquote liegt bei 83 %, was nachhaltig ist. Sollte die gleiche BDC jedoch 1,50 Euro pro Aktie ausschütten, übersteigt dies ihren operativen Gewinn, was langfristig zu Problemen führen kann.

Zusammenhang mit dem Aktienkurs

Eine hohe, aber nachhaltige Dividende macht eine BDC für Investoren attraktiv und kann den Aktienkurs stützen. Eine zu hohe Ausschüttung hingegen birgt das Risiko einer zukünftigen Dividendenkürzung, was den Aktienkurs einbrechen lassen kann.

Leverage Ratio und Verschuldung

Was ist die Leverage Ratio?

Die Leverage Ratio gibt an, wie stark eine BDC durch Fremdkapital finanziert ist. BDCs dürfen sich laut Regulierung bis zu einem Verhältnis von 2:1 (200 % Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital) verschulden. In der Praxis nutzen viele BDCs jedoch ein konservativeres Verhältnis von 1:1 oder niedriger, um das Risiko zu reduzieren.

Gute vs. schlechte Leverage Ratio

Eine Leverage Ratio unter 1,0 ist meist gesund, da sie Flexibilität bietet und das Insolvenzrisiko reduziert. Eine Ratio zwischen 1,0 und 1,5 kann akzeptabel sein, wenn die BDC über hochwertige Kredite und starke Einnahmen verfügt. Eine Ratio über 1,5 wird riskant, da steigende Zinsen oder Kreditausfälle das Unternehmen schnell in Schwierigkeiten bringen können.

Beispiel für eine risikoarme BDC

Eine BDC hat 1 Milliarde Euro an Vermögenswerten und 500 Millionen Euro Schulden. Ihre Leverage Ratio beträgt 0,5 – das bedeutet, dass sie ihre Investitionen nur zur Hälfte durch Fremdkapital finanziert, was ein solides Polster bietet.

Eine andere BDC hat 1 Milliarde Euro Vermögenswerte, aber 800 Millionen Euro Schulden. Ihre Leverage Ratio von 0,8 zeigt eine höhere Abhängigkeit von Fremdkapital, was in einer Krise problematisch sein kann.

Wo finde ich die Werte im Quartalsbericht?

1. NAV (Net Asset Value)

2. Leverage Ratio (Verschuldungsgrad)

3. Net Investment Income (NII)

4. Payout Ratio (Ausschüttungsquote)

5. Notleidende Kredite (Non-Accrual Loans)

Bekannte Business Development Companies (BDCs)

Es gibt viele BDCs, die an der Börse gehandelt werden und sich in ihrer Strategie sowie ihrem Risiko-Rendite-Profil unterscheiden. Hier sind einige der bekanntesten BDCs:

Jede dieser BDCs hat eine eigene Strategie hinsichtlich Risikomanagement, Verschuldungsgrad und Dividendenpolitik. Daher lohnt sich eine detaillierte Analyse, bevor man investiert.

Fazit: Wann ist eine BDC attraktiv?

Eine BDC ist besonders attraktiv, wenn ihr Aktienkurs unter ihrem NAV liegt, der NII stabil oder steigend ist, und die Dividende nachhaltig aus den laufenden Erträgen finanziert wird. Eine moderate Schuldenquote und ein geringer Anteil an notleidenden Krediten sind ebenfalls wichtige Faktoren.

Wer diese Punkte beachtet, kann langfristig von attraktiven Renditen profitieren.