Quellensteuer
Auf ausländische Dividenden wird Quellensteuer fällig, bevor das Geld bei dir ankommt. Hier erfährst du, wie sie funktioniert, was du anrechnen lassen kannst und wann sich eine Rückerstattung lohnt.
Quellensteuer nach Land: Anleitungen
Zu jedem Land gibt es eine eigene Anleitung mit Satz, Formular, Behörde, Frist und Rechenbeispiel.
Schweiz
Verrechnungssteuer über das ePortal der ESTV zurückfordern.
Frankreich
Formulare 5000 und 5001, Fristen und Adresse für LVMH, TotalEnergies und Co.
Dänemark
27 % statt 15 %: So holst du dir die Steuer bei Novo Nordisk zurück.
USA
W-8BEN und der Unterschied zwischen 30 % und 15 %.
Schweden
Formular SKV 3740 und fünf Jahre Zeit.
Norwegen
25 % Abzug, 10 Punkte Rückerstattung, Antrag ohne Formular.
Italien
26 % statt 15 %: Antrag bei der Agenzia delle Entrate.
Spanien
19 % Abzug, 4 Punkte erstattbar.
Österreich
27,5 % KESt, Antrag per Web-Formular und Post.
Kanada
25 % Part-XIII-Steuer und Formular NR7-R.
Finnland
35 % Abzug, 15 % nach dem Abkommen: 20 Punkte über die Verohallinto zurückholen.
Belgien
30 % Précompte mobilier, Formular 276 Div. Aut. und Bestätigung vom Finanzamt.
Irland
25 % DWT, für EU-Anleger meist erstattbar. Frist 48 Monate.
Rückerstattung allgemein
Schritt für Schritt: Formulare, Wohnsitzbescheinigung, Bearbeitungsdauer.
Was ist die Quellensteuer?
Die Quellensteuer ist eine Steuer, die vom Land des Unternehmens auf Dividenden erhoben wird, bevor sie dir als Anleger ausgezahlt werden. Das bedeutet, dass ein Teil deiner Dividende sofort einbehalten und direkt an das Finanzamt des Landes abgeführt wird. Diese Steuer soll sicherstellen, dass auch Ausländer einen Teil ihres Einkommens im Land des Unternehmens versteuern. Für deutsche Anleger bedeutet dies: Von jeder ausländischen Dividende wird bereits ein bestimmter Betrag abgezogen, bevor die Dividende auf deinem Konto landet.
Welche Auswirkungen hat die Quellensteuer für Dividendenanleger?
Für Dividendenanleger kann die Quellensteuer zunächst ärgerlich erscheinen, da sie den Netto-Betrag deiner Ausschüttungen mindert. Dennoch birgt sie einen entscheidenden Vorteil: Anders als bei reinen Buchgewinnen, die erst beim Verkauf versteuert werden, führt die Dividende zu laufenden Einnahmen, die du regelmäßig erhältst. So kann die Quellensteuer auch als eine Art „Planungssicherheit“ dienen. Denn wenn man Gewinne durch den Verkauf von Aktien erst Jahre später realisiert, ist ungewiss, wie hoch die Steuern dann sein werden. Durch die Dividenden kannst du dir also einen Teil deines Gewinns regelmäßig auszahlen lassen – und das direkt mit einem Teil versteuert.
Wie die Quellensteuer langfristig von Vorteil sein kann
- Steuervorteil durch anrechenbare Abgeltungssteuer: Die gezahlte Quellensteuer wird auf die in Deutschland fällige Kapitalertragssteuer angerechnet. Bis zu 15 % der Quellensteuer können verrechnet werden, was die Belastung in Deutschland verringert und so zu einer besseren Steuerstruktur beiträgt.
- Kalkulierbare Steuerbelastung: Da du regelmäßig Dividenden erhältst, hast du ein klareres Bild von deiner Steuerlast und kannst deine Einnahmen gut planen. Langfristig ist das oft vorteilhafter als zu spekulieren, wann und wie viel Steuer auf zukünftige Verkaufsgewinne anfällt.
- Sicherer Ertrag gegenüber unsicheren Kursgewinnen: Dividenden sind eine zuverlässige Einkommensquelle, unabhängig von den Marktschwankungen. Der Vorteil ist, dass sie regelmäßig fließen und dadurch zu einer stabilen Einnahmequelle werden.
Wie kannst du die Quellensteuer reduzieren oder zurückholen?
- Anrechnung der Quellensteuer: In Deutschland kannst du die Quellensteuer auf die Kapitalertragsteuer anrechnen lassen. Die deutsche Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge beträgt 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Durch die Anrechnung wird die Steuerbelastung oft auf ein Minimum reduziert.
- Rückerstattung der Quellensteuer: Sollte die Quellensteuer über den anrechenbaren 15 % liegen, kannst du eine Rückerstattung im jeweiligen Land beantragen. Der Prozess kann jedoch je nach Land langwierig sein und oft einige Monate bis zu mehreren Jahren dauern. So ist es beispielsweise in Ländern wie Frankreich oder der Schweiz oft nötig, umfassende Dokumente einzureichen und geduldig auf die Rückerstattung zu warten. Die Schritte findest du in der Anleitung zur Rückerstattung.
- Vorabbefreiung: In einigen Ländern ist es möglich, eine Vorabbefreiung zu beantragen, die die Quellensteuer reduziert, bevor sie erhoben wird. So könnte z. B. statt 35 % in der Schweiz nur 15 % Quellensteuer einbehalten werden, wenn du im Voraus die entsprechenden Unterlagen und Anträge einreichst. Ein steuerlicher Berater kann hier helfen, den Vorabbefreiungsprozess zu organisieren und damit den Aufwand zu reduzieren.
Freibeträge und Quellensteuer
Der deutsche Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 € für Einzelpersonen und 2.000 € für Paare. Innerhalb dieses Betrages sind Kapitalerträge steuerfrei, inklusive Dividenden. Liegen deine Erträge also unterhalb dieser Grenze, wird die anrechenbare Steuer im Inland nicht weiter erhoben. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die ausländische Quellensteuer bereits abgezogen ist und der Freibetrag nicht die Rückforderung der bereits gezahlten Steuer beeinflusst.
Dividenden und Quellensteuer clever nutzen
Die Quellensteuer kann zunächst wie ein Nachteil wirken, da sie deine Dividenden mindert. Wenn du jedoch die Anrechenbarkeit in Deutschland und die Möglichkeit der Rückerstattung berücksichtigst, kann sich eine Dividendenstrategie trotzdem lohnen. Mit Dividenden erhältst du eine direkte und steuerlich planbare Einkommensquelle, ohne auf unsichere Kursgewinne angewiesen zu sein.
Beispielhafte Quellensteuersätze
Hier eine Übersicht zu den Quellensteuersätzen verschiedener Länder und ob eine Vorabbefreiung oder Erstattung möglich ist:
| Land | Abzug im Land | In Deutschland anrechenbar | Erstattbar | Anleitung |
|---|---|---|---|---|
| USA | 30 % (15 % mit W-8BEN) | 15 % | 15 % (nur ohne W-8BEN) | USA |
| Schweiz | 35 % | 15 % | 20 % | Schweiz |
| Frankreich | 12,8 % bis 25 % (je nach Bank) | 12,8 % | bis 12,2 % | Frankreich |
| Dänemark | 27 % | 15 % | 12 % | Dänemark |
| Schweden | 30 % | 15 % | 15 % | Schweden |
| Norwegen | 25 % | 15 % | 10 % | Norwegen |
| Italien | 26 % | 15 % | 11 % | Italien |
| Spanien | 19 % | 15 % | 4 % | Spanien |
| Österreich | 27,5 % | 15 % | 12,5 % | Österreich |
| Kanada | 25 % | 15 % | 10 % | Kanada |
| Finnland | 35 % | 15 % | 20 % | Finnland |
| Belgien | 30 % | 15 % | 15 % | Belgien |
| Irland | 25 % | nach Berichten keine | bis 25 % (EU-Anleger) | Irland |
| Niederlande | 15 % | 15 % | keine | Keine Erstattung nötig |
| Großbritannien | 0 % | 0 % | keine | Keine Quellensteuer auf Dividenden |
Orientierungswerte, Quelle: Angaben des Bundeszentralamts für Steuern (Stand 04/2025, wiedergegeben von extraETF) und Stand 2024 bei Kanada, Niederlanden und Großbritannien; für Frankreich die Praxis laut ING und Nutzerberichten. Sätze und Voraussetzungen ändern sich, prüfe sie vor einem Antrag nach.
Alle Länderanleitungen findest du oben auf dieser Seite.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Formulare, Fristen und Steuersätze ändern sich; prüfe sie vor einem Antrag bei der jeweiligen Steuerbehörde oder einer Steuerberatung.