Dividenden-Rechner Aktien-Hub

Schweiz: Verrechnungssteuer zurückfordern

Schweizer Aktien wie Nestlé, Novartis oder Roche zahlen Dividenden mit 35 % Verrechnungssteuer. Davon darfst du 20 Prozentpunkte von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) zurückholen, wenn du selbst einen Antrag stellst.

Kurzantwort und Steckbrief

Kurz gesagt: Die Schweiz behält 35 % ein, nach dem Abkommen mit Deutschland stehen ihr 15 % zu. Die 20 Prozentpunkte Differenz bekommst du nur auf Antrag zurück. Der Antrag läuft online über das ESTV-Portal, das deutsche Finanzamt bestätigt deinen Wohnsitz, und du hast dafür drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem die Dividende fällig wurde.

MerkmalAngabe
Einbehalt35 % Verrechnungssteuer
Satz nach Abkommen15 %
Erstattbar20 Prozentpunkte
BehördeEidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Bern
Antragswegonline über das ESTV-Portal, Formular 85 (eF85); Details siehe unten
BestätigungWohnsitzfinanzamt bestätigt die unbeschränkte Steuerpflicht auf dem Antrag
Frist3 Jahre nach Ende des Kalenderjahres der Fälligkeit
Dauerlaut ESTV mehrere Monate
Auszahlungin Schweizer Franken (CHF)
Vorabentlastung für Privatanlegernicht belegt

Warum 35 % und nicht 15 %?

Die Schweiz erhebt auf Dividenden von Schweizer Gesellschaften die Verrechnungssteuer von 35 %. Für Schweizer Anleger ist sie ein Sicherungsinstrument, sie bekommen sie über die Steuererklärung zurück. Für dich als Anleger in Deutschland gilt das Doppelbesteuerungsabkommen: Es erlaubt der Schweiz nur 15 %. Den Rest zahlt die Schweiz nicht automatisch zurück, du musst ihn beantragen.
Betroffen sind Dividenden von Aktien, die in der Schweiz ansässige Unternehmen ausschütten. ETFs und Fonds erledigen die Rückforderung in der Regel selbst, du musst dort nichts tun.

Ausnahme: Dividenden aus Kapitaleinlagereserven

Schüttet eine Schweizer Gesellschaft Dividenden aus Kapitaleinlagereserven aus, fällt keine Verrechnungssteuer an. Das muss die Generalversammlung beschließen. Welche Unternehmen das aktuell tun, wechselt von Jahr zu Jahr; eine aktuelle Liste haben wir nicht belegt. Die Dividendenabrechnung zeigt, ob 35 % einbehalten wurden.

Was du vor dem Antrag brauchst

Der Antrag Schritt für Schritt

  1. Im ESTV-Portal einen Antrag für Personen mit Wohnsitz in Deutschland starten. Ratgeber und Steuerdienstleister nennen das Formular 85, die Online-Fassung heißt eF85. Die ESTV-Seite nennt das Online-Verfahren für Erträge ab 2020 zwingend.
  2. Dividenden eintragen: ISIN, Fälligkeitsdatum, Brutto-Betrag und Verrechnungssteuer. Mehrere Dividenden desselben Anspruchsberechtigten werden in einem Antrag gebündelt.
  3. Die erzeugte Antragsseite ausdrucken und beim Wohnsitzfinanzamt bestätigen lassen. Das Finanzamt bestätigt, dass du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist. Die Bestätigung sollte nach Angabe eines Dienstleisters nicht älter als ein Jahr sein.
  4. Den bestätigten Antrag mit Belegen bei der ESTV einreichen. Ob ein Upload des gestempelten PDF reicht oder das Papieroriginal per Post nötig ist, ist widersprüchlich belegt: Die ESTV-Anleitung von 2020 verlangte das Original, neuere Ratgeber und Erfahrungsberichte nennen den Upload. Folge den aktuellen Hinweisen im Portal.
  5. Status im Portal in der Geschäftsfallübersicht verfolgen. Die ESTV bestätigt den Eingang nicht gesondert.

Wichtig: Es wird nur die aktuelle Formularversion akzeptiert, ältere werden zurückgewiesen.

Frist und Dauer

Der Antrag ist frühestens nach Ablauf des Kalenderjahres der Fälligkeit sinnvoll, und der Anspruch erlischt drei Jahre nach Ende dieses Jahres. Beispiel: Eine Dividende vom Mai 2026 kannst du bis zum 31.12.2029 zurückfordern. Die Frist lässt sich laut ESTV grundsätzlich nicht verlängern. Die ESTV nennt auf einer weiteren Seite für das Ausland ‚in der Regel ab Fälligkeit‘, das widerspricht dem Satz oben leicht; sicher ist, dass du nach Jahresende beantragen kannst.

Die ESTV spricht von mehreren Monaten Bearbeitung und weist auf Verzögerungen wegen hohen Aufkommens hin. Erfahrungsberichte reichen von wenigen Wochen bis zu rund einem Jahr.

Lohnt sich der Aufwand?

Die Faustregel eines Finanzportals lautet: ab etwa 50 bis 100 € Erstattung je Position und Jahr, das entspricht rund 250 bis 500 € Brutto-Dividende. Das ist keine amtliche Zahl. Kosten entstehen vor allem durch die Tax Vouchers der Bank. Du kannst mehrere Jahre in einem Antrag bündeln, riskierst dann aber, dass die älteste Dividende verfällt. Banken, die einen Auftrag über den Jahreswechsel liegen lassen, haben laut Forenberichten schon doppelte Spesen verursacht.

Beispielrechnung mit 1.000 € Dividende

Beispiel mit 1.000 € Brutto-Dividende aus der Schweiz. Annahmen: Abgeltungsteuer 25 % plus Solidaritätszuschlag (zusammen 26,375 %), keine Kirchensteuer, Sparer-Pauschbetrag nicht berücksichtigt. Das ist eine eigene Rechnung, keine amtliche Auskunft.

PostenBetrag
Einbehalt im Quellenland350 €
Davon in Deutschland anrechenbar150 €
Im Quellenland erstattbar200 €
Netto nach allen Steuern, ohne Erstattung536,25 €
Netto nach allen Steuern, mit Erstattung736,25 €

Reicht dein Sparer-Pauschbetrag aus, entfällt die deutsche Steuer. Die angerechnete Auslandssteuer geht dann ins Leere, und die erstattbare Differenz ist der einzige Teil, den du zurückholen kannst.

Was passiert in Deutschland?

Deutschland rechnet ausländische Quellensteuer auf die Abgeltungsteuer an, aber höchstens mit dem Satz des Doppelbesteuerungsabkommens (meist 15 %). Bei 35 % Einbehalt sind das 15 Prozentpunkte, 20 Prozentpunkte bleiben rückforderbar.

Was darüber hinaus einbehalten wurde, ist in Deutschland nicht anrechenbar und muss im Quellenland zurückgefordert werden. Ob die Bank angerechnete Beträge nach einer späteren Erstattung korrigiert, ist in den von uns geprüften Quellen nicht belegt; behalte die Erstattung deshalb im Blick, wenn du die Steuerbescheinigung deiner Bank mit der Steuererklärung abgleichst.

Nicht angerechnete, aber anrechenbare Beträge trägst du in der Anlage KAP ein (für die Veranlagung 2024: Zeile 41, bereits angerechnete Beträge stehen in Zeile 40). Die Zeilennummern ändern sich von Jahr zu Jahr und waren für 2025 nicht eindeutig belegt, prüfe sie im aktuellen Formular. Das Finanzamt verlangt dafür die Steuerbescheinigung im Original.

Häufige Fragen

Wie viel Verrechnungssteuer bekomme ich aus der Schweiz zurück?

20 Prozentpunkte der Brutto-Dividende. Die Schweiz behält 35 % ein, 15 % bleiben nach dem Abkommen mit Deutschland. Bei 1.000 € Dividende sind das 200 €.

Wie lange habe ich Zeit für den Antrag?

Drei Jahre nach Ende des Kalenderjahres, in dem die Dividende fällig wurde. Eine Dividende aus 2026 verfällt am 31.12.2029.

Welches Formular brauche ich?

Das Formular 85, online als eF85 im ESTV-Portal. Das deutsche Wohnsitzfinanzamt bestätigt den Antrag.

Gibt es eine Entlastung schon bei der Auszahlung?

Für Privatanleger aus Deutschland ist ein solches Verfahren nicht belegt. Die ESTV beschreibt für Deutschland nur die nachträgliche Rückerstattung.

Muss ich bei Schweizer ETFs etwas tun?

In der Regel nicht. Der Fondsanbieter kümmert sich um die Rückforderung.

Quellen und Stand

Stand der Recherche: Oktober 2026. Wo eine Angabe nur aus älteren oder inoffiziellen Quellen stammt, steht das im Text. Prüfe Sätze, Formulare, Adressen und Fristen vor einem Antrag bei der Behörde.

Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Formulare, Fristen und Steuersätze ändern sich; prüfe sie vor einem Antrag bei der jeweiligen Steuerbehörde oder einer Steuerberatung.