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Frankreich: Quellensteuer zurückholen

Bei französischen Aktien wie LVMH, TotalEnergies, Air Liquide oder L’Oréal hängt der Steuerabzug davon ab, über welche Bank du sie hältst. Das macht Frankreich zum unübersichtlichsten Fall dieser Reihe.

Kurzantwort und Steckbrief

Kurz gesagt: Frankreich darf deutschen Privatanlegern höchstens 12,8 % abnehmen. Banken behalten je nach Verfahren 12,8 % oder 25 % ein, ältere Quellen nennen 26,5 % und 30 %. Zu viel abgezogene Steuer holst du mit den Formularen 5000 und 5001 über deine Depotbank zurück, aber das kostet Gebühren und dauert lange. Prüfe zuerst in deiner Dividendenabrechnung, was tatsächlich abgezogen wurde.

MerkmalAngabe
Satz für Privatpersonen12,8 % (Art. 187 CGI); nach dem Abkommen mit Deutschland wären 15 % möglich
Tatsächlicher Einbehaltje nach Bank 12,8 % oder 25 %; ältere Quellen nennen 26,5 % und 30 %
In Deutschland anrechenbar12,8 % statt 15 % (seit 2018)
ErstattbarDifferenz zwischen Einbehalt und 12,8 %, also bis zu 12,2 Prozentpunkte bei 25 %
Formulare5000 (Wohnsitzbescheinigung) und 5001 (Dividenden), auch als 5000-DE und 5001-DE
Einreichungüber die Depotbank, nicht direkt
Fristnach DSW bis 31.12. des zweiten Jahres nach der Zahlung; einzelne Ratgeber nennen drei Jahre
Dauerlaut Ratgeber 12 bis 24 Monate
KostenBankgebühren, bei ING 50 € je Antrag plus rund 75 € je Zahlung (undatierte Angabe)
Vorabentlastungmöglich mit Formular 5000 vor der Zahlung, nicht jede Bank macht mit

Welcher Satz wird bei französischen Dividenden abgezogen?

Die Quellen widersprechen sich, und das ist der wichtigste Punkt dieser Seite. Frankreich selbst nennt für Privatpersonen 12,8 %. Ohne Nachweis, dass du Privatperson im Ausland bist, wendet die Zahlstelle den Satz für Körperschaften an, zuletzt 25 %, davor 26,5 %, 28 % und 30 %. ING nennt 25 % Abzug, davon 12,8 % anrechenbar. Ältere Quellen sprechen von 30 % Abzug. Nutzerberichte aus 2025 zeigen bei Trade Republic teils 12,8 % (zum Beispiel AXA, LVMH), teils 25 % (zum Beispiel TotalEnergies). Warum es je Titel und Broker Unterschiede gibt, ist nicht belegt; Trade Republic nennt laut Forum die Verwahrkette als Grund.

Dein Weg: Schau in die Dividendenabrechnung. Stehen dort 12,8 %, musst du nichts tun. Stehen dort 25 % oder mehr, kannst du die Differenz zu 12,8 % zurückfordern.

Warum rechnet Deutschland nur 12,8 % an?

Seit dem 1. Juli 2018, rückwirkend ab 1. Januar 2018, wird bei Frankreich nur noch der niedrigere französische Satz von 12,8 % angerechnet, nicht mehr die 15 % aus dem Abkommen. Was Frankreich zu viel einbehält, ist in Deutschland nicht anrechenbar.

Welche Aktien und Fonds sind betroffen?

Betroffen sind Dividenden von Aktien französischer Unternehmen. In den Quellen und Erfahrungsberichten tauchen AXA, LVMH, Air Liquide, L’Oréal, TotalEnergies und Veolia auf. Eine amtliche Titelliste gibt es nicht. Bei ETFs und Fonds kümmert sich der Anbieter um die Rückforderung. Zu ADRs und REITs ist nichts belegt.

Zu Air Liquide berichten Nutzer, dass die Umstellung auf Namensaktien (nominatif) den Abzug regeln kann und bei Trade Republic ein bis fünf Euro kostet. Das ist eine Einzelmeldung aus einem Forum; frage deine Bank.

So holst du die Steuer zurück: Formulare 5000 und 5001

  1. Formular 5000 (Wohnsitzbescheinigung) ausfüllen: Felder I, II, III und VII, dann unterschreiben. Es gibt deutsche Fassungen (5000-DE).
  2. Das Wohnsitzfinanzamt bestätigt in Feld IV deine Ansässigkeit. Es behält eine Ausfertigung und gibt zwei zurück. Für jede Einkunftsart und jede Zahlstelle ist ein eigenes Formular nötig.
  3. Für die nachträgliche Erstattung kommt Formular 5001 (Dividenden) dazu. Beide Formulare werden zusammen bestätigt.
  4. Die Unterlagen gehen an deine Depotbank. Sie bestätigt die Verwahrung und leitet den Antrag an die französische Verwaltung weiter. Nach ING und Börse Online wird der Antrag nur über die Bank angenommen, und nicht jede Bank bietet den Service an.
  5. Warten. Die französische Behörde erstattet an die Bank, die den Betrag an dich weitergibt.

Eine Adresse nennen wir bewusst nicht: Zwei DSW-Dokumente nennen unterschiedliche Anschriften der französischen Behörde. Die Bank kennt die richtige und reicht den Antrag selbst ein. Ein Nachfolgeformular zu 5000/5001 haben wir nicht gefunden; prüfe auf impots.gouv.fr, ob die Nummern noch gelten.

Frist, Dauer und Kosten

Nach den DSW-Erläuterungen muss der Antrag bis zum 31. Dezember des zweiten Jahres nach der Zahlung bei der französischen Verwaltung sein. Einzelne Ratgeber schreiben pauschal ‚bis zu drei Jahre‘. Verlass dich auf die frühere Frist.

Die Bearbeitung dauert laut Ratgeber zwölf bis 24 Monate. Banken verlangen Gebühren: ING nennt 50 € je Antrag plus rund 75 € Fremdgebühr je zurückgeforderter Zahlung, unabhängig vom Betrag (Seite ohne Datum). 2018 nannte Börse Online 23,80 € bis 45,70 € je Zahlung, Gevestor 2022 mehr als 100 €. Bei so hohen Fixkosten lohnt der Aufwand nur bei größeren Beträgen. Eine feste Schwelle ist nicht belegt.

Vorabentlastung: Formular 5000 vor der Zahlung

Liegt Formular 5000 vor der Dividendenzahlung bei deiner Bank, kann der Abkommenssatz direkt angewendet werden, und die nachträgliche Rückforderung entfällt. Du brauchst pro Bank ein eigenes Formular. ING nimmt an dem Verfahren nicht teil. Die DKB bot es 2018 für einmalig 11,90 € je Depot an, der aktuelle Stand ist unklar. Für Trade Republic, Scalable und comdirect ist das Verfahren nicht belegt. Frage bei deinem Broker nach.

Beispielrechnung mit 1.000 € Dividende

Beispiel mit 1.000 € Brutto-Dividende, zwei Varianten. Annahmen: Abgeltungsteuer 25 % plus Solidaritätszuschlag (26,375 %), keine Kirchensteuer, Sparer-Pauschbetrag nicht berücksichtigt. Eigene Rechnung, keine amtliche Auskunft.

PostenBank behält 25 % einBank behält 12,8 % ein
Einbehalt in Frankreich250 €128 €
In Deutschland anrechenbar (12,8 %)128 €128 €
Erstattbar122 €0 €
Netto ohne Erstattung614,25 €736,25 €
Netto mit Erstattung736,25 €736,25 €

Bei Bankgebühren von über 100 € je Antrag frisst der Aufwand die 122 € Erstattung auf. Erst bei mehreren Zahlungen oder größeren Beträgen rechnet es sich.

Was passiert in Deutschland?

Deutschland rechnet ausländische Quellensteuer auf die Abgeltungsteuer an, aber höchstens mit dem Satz des Doppelbesteuerungsabkommens (meist 15 %). Bei Frankreich sind es nur 12,8 %, nicht 15 %.

Was darüber hinaus einbehalten wurde, ist in Deutschland nicht anrechenbar und muss im Quellenland zurückgefordert werden. Ob die Bank angerechnete Beträge nach einer späteren Erstattung korrigiert, ist in den von uns geprüften Quellen nicht belegt; behalte die Erstattung deshalb im Blick, wenn du die Steuerbescheinigung deiner Bank mit der Steuererklärung abgleichst.

Nicht angerechnete, aber anrechenbare Beträge trägst du in der Anlage KAP ein (für die Veranlagung 2024: Zeile 41, bereits angerechnete Beträge stehen in Zeile 40). Die Zeilennummern ändern sich von Jahr zu Jahr und waren für 2025 nicht eindeutig belegt, prüfe sie im aktuellen Formular. Das Finanzamt verlangt dafür die Steuerbescheinigung im Original.

Häufige Fragen

Wie viel Quellensteuer wird bei französischen Aktien abgezogen?

Je nach Bank und Titel 12,8 % oder 25 %. Frankreich selbst nennt für Privatpersonen 12,8 %. Maßgeblich ist der Betrag in deiner Dividendenabrechnung.

Welche Formulare brauche ich für die Rückerstattung?

Formular 5000 (Wohnsitzbescheinigung, vom Finanzamt bestätigt) und Formular 5001 (Dividenden). Beides reichst du über deine Depotbank ein.

Wie lange habe ich Zeit?

Nach den DSW-Erläuterungen bis zum 31. Dezember des zweiten Jahres nach der Zahlung. Manche Ratgeber nennen drei Jahre; plane vorsichtshalber mit der kürzeren Frist.

Kann ich den Antrag direkt in Frankreich stellen?

Nach ING und Börse Online nimmt die französische Verwaltung Anträge nur über die Depotbank an.

Lohnt sich die Rückforderung?

Bei hohen Bankgebühren nur bei größeren Beträgen. Rechne mit den Gebühren deiner Bank gegen die erstattbare Differenz.

Quellen und Stand

Stand der Recherche: Oktober 2026. Wo eine Angabe nur aus älteren oder inoffiziellen Quellen stammt, steht das im Text. Prüfe Sätze, Formulare, Adressen und Fristen vor einem Antrag bei der Behörde.

Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Formulare, Fristen und Steuersätze ändern sich; prüfe sie vor einem Antrag bei der jeweiligen Steuerbehörde oder einer Steuerberatung.