KBV und KUV: Kurs-Buchwert- und Kurs-Umsatz-Verhältnis
Nicht jedes Unternehmen lässt sich mit dem KGV greifen. Wer Banken, Versicherer oder noch unprofitable Wachstumsfirmen bewerten will, greift zu zwei Verwandten: dem Kurs-Buchwert- und dem Kurs-Umsatz-Verhältnis.
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
Das KBV (price-to-book, P/B) vergleicht den Börsenwert mit dem Eigenkapital laut Bilanz, dem Buchwert.
KBV = Aktienkurs ÷ Buchwert je Aktie = Börsenwert ÷ Eigenkapital
Ein KBV unter 1 heißt: Die Aktie kostet weniger als das buchhalterische Eigenkapital. Das kann eine Chance sein oder ein Hinweis, dass der Markt den Bilanzwerten misstraut, etwa wegen drohender Kreditausfälle oder überhöhter Immobilienbewertungen.
Wo das KBV gut funktioniert
- Banken und Versicherer: Ihr Geschäft besteht aus Bilanzpositionen, Eigenkapital ist die Basis der Gewinnfähigkeit. Hier arbeitet man meist mit dem tangiblen Buchwert (ohne Firmenwerte), dem KTBV. Siehe Banken bewerten.
- Immobilienunternehmen: Der Buchwert nähert sich dem Nettoinventarwert, also dem Wert der Objekte abzüglich der Schulden, an. Ein Abschlag gegenüber diesem Wert ist ein zentrales Bewertungssignal, siehe REITs bewerten.
- Investmentgesellschaften und BDCs: Hier ist der Buchwert der Nettoinventarwert (NAV), das Kurs-NAV-Verhältnis der wichtigste Bewertungsanker. Siehe BDCs bewerten.
- Kapitalintensive Industrien: Stahl, Werften, Schifffahrt, in denen Maschinen und Anlagen den Wert tragen.
Wo das KBV in die Irre führt
- Immaterielle Werte fehlen. Marken, Software, Patente und Kundenbeziehungen stehen oft nicht oder nur teilweise in der Bilanz, selbst erschaffene schon gar nicht. Ein Softwarekonzern hat daher meist ein sehr hohes KBV, ohne teuer zu sein.
- Aktienrückkäufe schrumpfen das Eigenkapital. Unternehmen, die stark zurückkaufen, können ein niedriges oder sogar negatives Eigenkapital ausweisen. Das KBV ist dann sinnlos oder gar nicht berechenbar. Bekannte Beispiele sind einzelne Konsum- und Gastronomiekonzerne, deren Geschäft sehr profitabel ist.
- Bilanzwerte sind Schätzungen. Buchwerte von Immobilien, Krediten oder Firmenwerten hängen von Annahmen ab, die in Krisen kippen können.
KBV und Eigenkapitalrendite gehören zusammen
Ein hohes KBV ist nicht schlimm, wenn die Eigenkapitalrendite hoch ist. Als Faustregel zahlt der Markt für Unternehmen, die dauerhaft mehr als ihre Kapitalkosten verdienen, einen Aufschlag auf den Buchwert. Verdient ein Unternehmen weniger, verdient es einen Abschlag.
Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)
Das KUV (price-to-sales, P/S) vergleicht den Börsenwert mit dem Jahresumsatz.
KUV = Börsenwert ÷ Jahresumsatz
Die Stärke des KUV: Der Umsatz ist schwerer zu manipulieren als der Gewinn und auch bei Verlustunternehmen positiv. Deshalb taucht es oft bei jungen Wachstumsfirmen auf. Die Schwäche: Es sagt nichts über die Profitabilität. Ein Unternehmen mit 2 % Marge und eines mit 25 % Marge können bei gleichem KUV völlig unterschiedlich viel wert sein.
Für Dividendeninvestoren ist das KUV meist zweitrangig. Nützlich ist es als Gegencheck bei Unternehmen mit schwankenden Gewinnen, wenn man die Bewertung über den Zyklus hinweg vergleichen will, oder bei der Frage, wie viel Marge ein Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz erreicht.
Welche Kennzahl wann?
| Unternehmenstyp | Gute Ausgangskennzahl |
|---|---|
| Stabile Dividendenzahler (Konsum, Industrie) | KGV, FCF-Yield |
| Banken, Versicherer | KBV bzw. KTBV, Eigenkapitalrendite |
| REITs | Kurs/FFO, Kurs/NAV |
| BDCs | Kurs/NAV, Nettoertrag |
| Wachstum ohne Gewinne | KUV, Bruttomarge, Wachstum |
| Zyklische Rohstoffwerte | KGV auf Durchschnittsgewinn, KBV |
Eine Übersicht mit weiteren Branchen findest du in Welche Kennzahl für welche Branche?
Häufige Fragen
Was ist ein gutes KBV?
Das hängt von der Branche und der Eigenkapitalrendite ab. Ein KBV unter 1 kann günstig sein, bei Banken aber auch auf Risiken in der Bilanz hindeuten. Unternehmen mit sehr hoher Rendite haben oft ein KBV deutlich über 1.
Was bedeutet ein KBV unter 1?
Die Aktie kostet weniger als das Eigenkapital je Aktie laut Bilanz. Das kann eine Unterbewertung sein oder ein Zeichen, dass der Markt die Bilanzwerte anzweifelt.
Warum ist das KBV bei manchen Aktien negativ oder verzerrt?
Wenn Unternehmen durch Rückkäufe oder Verluste ihr Eigenkapital stark abbauen, kann der Buchwert klein oder negativ werden. Dann taugt das KBV nicht mehr zum Vergleich.
Wann nutzt man das KUV?
Bei Unternehmen ohne oder mit stark schwankenden Gewinnen, etwa jungen Wachstumsfirmen. Es sollte immer mit der Marge und dem Umsatzwachstum zusammen gelesen werden.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.