BDCs bewerten: NII, NAV und Dividendendeckung
BDCs locken mit Dividendenrenditen von 9 bis 12 Prozent. Dahinter steckt ein Geschäft, das Banken zunehmend überlassen: Kredite an mittelständische Unternehmen. Hohe Zinsen für hohe Risiken.
Was eine BDC ist
Eine business development company ist ein börsennotiertes US-Unternehmen, das Kapital in mittelgroße, meist nicht börsennotierte Firmen investiert, überwiegend über Kredite, teils über Beteiligungen. Rechtlich ist sie eine Art geschlossener Fonds nach dem US-Investmentrecht. Wie ein REIT wird sie steuerlich bevorzugt, wenn sie mindestens 90 % ihres steuerpflichtigen Einkommens ausschüttet. Deshalb sind die Dividenden hoch, und die Ausschüttung folgt dem Ertrag des Kreditportfolios.
Wichtig für deutsche Anleger: BDCs sind US-Titel mit US-Quellensteuer, und die steuerliche Einordnung ist komplexer als bei normalen Aktien. Manche Broker bieten sie nicht an, etwa weil für Privatanleger in der EU bestimmte Produktinformationen (Basisinformationsblatt) fehlen. Kläre Handelbarkeit und Steuerfolgen vorher, im Zweifel mit einer Steuerberatung.
Warum der Gewinn je Aktie nicht die richtige Zahl ist
BDCs bewerten ihr Kreditportfolio jedes Quartal neu. Diese Wertänderungen (nicht realisiert) fließen in den Gewinn ein und lassen ihn stark schwanken. Der Gewinn je Aktie taugt daher nicht als Basis für die Dividende. Die richtige Größe ist der Nettoinvestitionsertrag.
Die wichtigsten Kennzahlen
Net Investment Income (NII)
Der NII ist der laufende Zinsertrag minus Betriebskosten, Zinsen auf eigene Schulden und Gebühren. Er zeigt, was das Portfolio ohne Bewertungsschwankungen erwirtschaftet.
Dividendendeckung = NII je Aktie ÷ Dividende je Aktie
Eine Deckung über 100 % bedeutet: Die Dividende ist aus dem laufenden Ertrag bezahlt. Liegt sie darunter, zehrt die BDC am Substanzwert oder kürzt bald.
Nettoinventarwert (NAV) und Kurs/NAV
Der NAV je Aktie ist der Wert des Portfolios abzüglich der Schulden, geteilt durch die Aktienzahl. Er wird quartalsweise gemeldet und bildet den Anker für die Bewertung.
Ein Abschlag kann Chance sein oder berechtigtes Misstrauen. Ein Aufschlag setzt voraus, dass die BDC dauerhaft überdurchschnittlich gut arbeitet. Entscheidend ist die Entwicklung des NAV im Zeitverlauf.
Der Gesamtertrag zählt, nicht nur die Dividende
Kreditqualität
- Non-Accruals: Anteil der Kredite, bei denen der Schuldner nicht mehr zahlt, zu Anschaffungskosten und zum Marktwert. Werte im niedrigen einstelligen Prozentbereich sind üblich, steigende Quoten ein Frühwarnsignal.
- Erstrangige Kredite (First Lien): Ein hoher Anteil besichert vorrangig und ist sicherer als nachrangige Kredite oder Beteiligungen.
- PIK-Erträge: Zinsen, die nicht bar gezahlt, sondern dem Kredit zugeschlagen werden. Ein hoher oder wachsender Anteil bedeutet, dass der NII teilweise nur auf dem Papier existiert.
- Streuung: Anzahl der Beteiligungen, Branchen und Größe der größten Positionen.
Verschuldung
BDCs dürfen sich nach heutigem US-Recht bis zu einem Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital von etwa 2:1 verschulden. Üblich sind deutlich niedrigere Quoten, im Bereich von 1 bis 1,25. Je höher die Verschuldung, desto stärker wirken Ausfälle und Bewertungsänderungen auf den NAV. Auch die Laufzeit der Finanzierung zählt, siehe Verschuldung bewerten.
Gebühren und Management
Extern verwaltete BDCs zahlen eine Basisgebühr auf das Vermögen und eine Erfolgsgebühr auf den Ertrag oberhalb einer Mindestrendite. Hohe Gebühren schmälern den NII. Intern verwaltete BDCs sind oft günstiger, weil sie keine separaten Verwaltungsgebühren zahlen. Prüfe, wie die Interessen des Managements mit denen der Aktionäre zusammenpassen: Gibt es Eigenbesitz, Rückerstattungen oder Gebührenverzicht?
Zinsen und Konjunktur
Die meisten Kredite von BDCs sind variabel verzinst. Steigen die Leitzinsen, steigen die Erträge. Das stützt den NII, belastet aber die Schuldner, deren Zinskosten ebenfalls steigen. Fallen die Zinsen, sinkt der NII und mit ihm häufig die Dividende. In einer Rezession steigen Ausfälle, was NAV und Ausschüttung zugleich unter Druck setzt. Das Bild ähnelt dem bei Banken, siehe Banken bewerten, bei BDCs aber mit höherem Verschuldungshebel.
Checkliste für BDCs
- Wie hoch ist die NII-Deckung der Dividende, und wie hat sie sich entwickelt?
- Wie hat sich der NAV je Aktie über drei bis fünf Jahre bewegt?
- Wie hoch ist Kurs/NAV im Vergleich zu ähnlichen BDCs?
- Wie hoch sind Non-Accruals und PIK-Anteil?
- Wie groß ist der Anteil erstrangiger Kredite?
- Wie hoch sind Verschuldung und Fälligkeiten?
- Wie hoch sind die Gebühren, und wie ist das Management ausgerichtet?
- Wie stehen Handelbarkeit und Besteuerung für dich als deutscher Anleger?
Häufige Fragen
Was ist eine BDC?
Eine Business Development Company ist ein börsennotiertes US-Unternehmen, das überwiegend Kredite an mittelgroße Firmen vergibt und den Großteil der Erträge ausschüttet.
Wie bewertet man eine BDC?
Vor allem mit dem Nettoinvestitionsertrag (NII) im Verhältnis zur Dividende, dem Kurs zum Nettoinventarwert (NAV), der Kreditqualität, der Verschuldung und den Gebühren.
Warum zahlen BDCs so hohe Dividenden?
Weil sie steuerlich bevorzugt werden, wenn sie mindestens 90 Prozent ihres steuerpflichtigen Einkommens ausschütten, und weil sie hochverzinste Kredite halten, die höhere Risiken tragen.
Was bedeutet Kurs/NAV bei einer BDC?
Das Verhältnis des Aktienkurses zum Nettoinventarwert je Aktie. Unter 1 liegt ein Abschlag, über 1 ein Aufschlag auf den Wert des Portfolios.
Kann man BDCs in Deutschland kaufen?
Manche deutsche Broker bieten sie an, andere nicht, etwa wegen fehlender Produktinformationen für Privatanleger. Prüfe die Handelbarkeit bei deinem Broker und kläre die steuerliche Behandlung.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.