Dividenden reinvestieren: Zinseszins, Sparplan und Entnahme
Wer Dividenden nicht ausgibt, sondern wieder anlegt, kauft mit dem Ertrag neue Aktien, die selbst Dividenden zahlen. Das ist der Zinseszinseffekt in der Praxis.
Das Prinzip
Jede Dividende kann als Bargeld bleiben oder in neue Anteile fließen. Bei Wiederanlage wächst die Zahl der Aktien, die Dividende im nächsten Jahr steigt mit, selbst wenn das Unternehmen sie nicht erhöht. Das beschleunigt sich mit der Zeit.
Beispiel (vereinfacht)
10.000 Euro, 3 % Dividendenrendite, 5 % Kursplus im Jahr, 20 Jahre. Ohne Wiederanlage fließen die Dividenden aus. Mit Wiederanlage steigt der Endbetrag deutlich, weil die Dividenden selbst mitwachsen. Wie stark, hängt von Rendite, Wachstum und Steuern ab. Mit dem Dividenden-Zinseszins-Rechner probierst du eigene Zahlen aus. Die Beispiele sind Rechnungen, keine Prognosen.
So setzt du Wiederanlage um
- Manuell: Du kaufst nach jeder Zahlung neue Aktien. Das gibt dir Kontrolle, kostet aber Gebühren.
- Dividenden-Wiederanlageplan (DRIP): In den USA und bei einigen Brokern automatisch, oft ohne Gebühr. In Deutschland gibt es das selten.
- Sparplan: Du investierst monatlich einen festen Betrag, die Dividenden fließen auf dein Verrechnungskonto und fließen in den Sparplan ein.
- Thesaurierende Fonds: Der Fonds legt Erträge selbst wieder an, siehe ausschüttend oder thesaurierend.
Steuern bei der Wiederanlage
Dividenden werden versteuert, bevor du sie wieder anlegst. In Deutschland fällt Abgeltungsteuer an, bei ausländischen Titeln zusätzlich Quellensteuer. Ein Freistellungsauftrag mindert das. Bei thesaurierenden Fonds gelten andere Regeln (Vorabpauschale). Informiere dich zu deiner Situation oder frage eine Steuerberatung.
Wann Entnahme sinnvoller ist
- Du lebst bereits vom Einkommen, zum Beispiel im Ruhestand.
- Du brauchst planbare Zuflüsse.
- Die Aktie ist aus deiner Sicht hoch bewertet, und du möchtest die Dividende in einen günstigeren Titel lenken.
Auch Mischformen sind möglich: Ein Teil wird entnommen, der Rest reinvestiert.
Worauf du beim Reinvestieren achtest
- Streuung: Wer immer in dieselbe Aktie nachkauft, baut ein Klumpenrisiko auf. Lenke Dividenden auch in andere Titel.
- Bewertung: Auch beim Nachkauf zählt der Preis, siehe KGV.
- Kosten: Kleine Beträge und feste Ordergebühren passen schlecht zusammen.
Häufige Fragen
Lohnt sich Reinvestieren immer?
Mathematisch wirkt der Zinseszins über lange Zeiträume stark. Er hilft aber nur, wenn die Aktien solide bleiben und die Kosten niedrig sind.
Wie rechne ich mein künftiges Einkommen?
Starte mit der Anleitung Wie viel Dividende bekomme ich? und nutze den Rechner.
Gibt es einen automatischen Weg in Deutschland?
Über thesaurierende ETFs oder Sparpläne auf ausschüttende Titel, bei denen du Erträge in den Plan lenkst. Einzelne Broker bieten eigene Lösungen an.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.