Aktien bewerten: KGV, Dividenden-Modell und DCF
Eine gute Firma ist nicht automatisch eine gute Geldanlage, denn auch der Preis muss passen. Drei gängige Methoden helfen dir, den Wert einer Aktie einzuschätzen.
1. Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie
- Vergleiche das KGV nur mit ähnlichen Unternehmen oder der eigenen Historie. Ein „niedriges“ KGV kann bei einem Versorger normal sein und bei einem Wachstumsunternehmen sehr günstig wirken.
- Unterscheide das Trailing-KGV (Gewinn der letzten 12 Monate) vom Forward-KGV (erwarteter Gewinn).
- Bei zyklischen Unternehmen schwankt der Gewinn stark. Ein Durchschnitt über mehrere Jahre ist verlässlicher.
2. Dividendendiskontierungsmodell (Gordon-Modell)
Das Modell schätzt den Wert einer Aktie aus den künftigen Dividenden. Es nimmt an, dass die Dividende dauerhaft mit einer festen Rate wächst:
Fairer Wert = Dividende nächstes Jahr ÷ (Renditeerwartung − Wachstumsrate)
Das Modell ist sehr empfindlich: Bei 2 % statt 3 % Wachstum läge der Wert bei 2,00 ÷ 0,06 ≈ 33,33 €. Es funktioniert nur für Unternehmen mit stabiler, vorhersehbarer Dividende, und die Wachstumsrate muss kleiner sein als die Renditeerwartung.
3. Discounted Cash Flow (DCF)
Beim DCF-Verfahren werden die künftigen Free Cashflows des Unternehmens geschätzt und mit einem Zinssatz auf den heutigen Wert abgezinst. Dazu kommt ein Restwert für die Zeit nach dem Prognosezeitraum. Das Ergebnis, geteilt durch die Zahl der Aktien, ergibt den geschätzten Wert je Aktie.
Wert heute = Σ (Free Cashflow im Jahr t ÷ (1 + Zinssatz)t) + Restwert, abgezinst
Der DCF ist flexibel, aber stark von Annahmen abhängig. Kleine Änderungen bei Wachstum und Zinssatz verändern das Ergebnis deutlich. Rechne deshalb mit mehreren Szenarien (pessimistisch, Basis, optimistisch) und betrachte das Ergebnis als Spanne, nicht als genaue Zahl.
Welche Methode wofür?
| Methode | Gut für | Schwäche |
|---|---|---|
| KGV | Schneller Vergleich ähnlicher Unternehmen | Gewinn kann verzerrt sein, ignoriert Wachstum und Schulden |
| Gordon-Modell | Stabile Dividendenzahler | Sehr empfindlich gegenüber Wachstumsannahme |
| DCF | Detaillierte Einzelanalyse | Viele Annahmen, Scheingenauigkeit |
Keine dieser Methoden liefert „die“ richtige Zahl. Sinnvoll ist es, mehrere zu kombinieren und das Ergebnis mit Qualitätsmerkmalen wie Gewinnstabilität, Verschuldung und Ausschüttungsquote abzugleichen. Im findest du Kennzahlen und Bewertungsdaten, die du als Ausgangspunkt für eigene Berechnungen nutzen kannst. Prüfe die Quellen und Annahmen immer selbst.
Häufige Fragen
Was ist ein gutes KGV?
Das hängt von Branche und Wachstum ab. Ein KGV sollte immer mit ähnlichen Unternehmen und der eigenen Historie verglichen werden, nicht mit einer festen Zahl.
Wie funktioniert das Gordon-Modell?
Der faire Wert ergibt sich aus der erwarteten Dividende des nächsten Jahres geteilt durch die Differenz aus Renditeerwartung und Dividendenwachstum. Es eignet sich nur für Unternehmen mit stabiler Dividende.
Ist der DCF-Wert genau?
Nein. Er basiert auf Annahmen zu Wachstum, Zinssatz und Restwert. Kleine Änderungen verändern das Ergebnis stark, deshalb sollte man mit Szenarien und Spannen arbeiten.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ist weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Die Zahlenbeispiele sind frei gewählt und keine Prognose.